Tim Fröhlich vom Institut für Rechtsextremismusforschung (IRex) in Tübingen hat im Museum Bisingen dargestellt, warum sich die Extreme Rechte mit Erinnerungskultur so schwer tut. Der Gründungskonsens der Bundesrepublik, die Distanzierung vom Radikalnationalismus und die Ablehnung des Faschismus, ist für die Extreme Rechte schwer auszuhalten, denn um nationale Identitätsbezüge erschließen zu können, benötigt sie ein eindeutig positives Verhältnis zur deutschen Geschichte. Die Verbrechen des Nationalsozialismus sind da ein Störfaktor, der die Auseinandersetzung mit den Ideen und Angeboten der Extremen Rechten verhindert. Die Akteure der Extremen Rechten sind dabei weit jenseits ihrer politischen Vertretung in Form der AfD zu finden.
Diese Akteure fallen beharrlich durch gezielte Tabubrüche auf, mit denen sie den Raum des Sagbaren provozierend erweitern, um ihm nächsten Schritt ihren eigenen Tabubruch selbst zu verharmlosen und als Missverständnis darzustellen. Der Diskursraum wird auf diese Weise langsam verschoben. Empirische Untersuchungen zeigen, dass die Forderungen von „Schlussstrichen“ unter die Zeit des Nationalsozialismus gesellschaftlich auf immer weniger Widerstand stoßen. Dem stellt die Extreme Rechte ein neues Narrativ von Bombenterror, Kriegsopfern und Flucht und Vertreibung entgegen.
Fröhlich zeigte die Netzwerke der Extremen Rechten in der Gesellschaft auf und wie weit diese schon im politischen Vorfeld vernetzt sind; er analysierte die Landtagswahl vom 8. März, indem er Wahlergebnisse auf Gemeindeebene in Beziehung zu den Standorten von Gedenkstätten setzte.
Gedenkstätten werden, wie er berichtete, zunehmend auch direkt angegangen: Politiker der Extremen Rechten versuchen an Gedenkstättenveranstaltungen, zu denen sie explizit ausgeladen wurden, teilzunehmen, in der Nähe von Gedenkstätten wird gezielt plakatiert und Gedenkstätten werden so unter Druck gesetzt, sich mental, physisch, argumentativ, juristisch und öffentlich zu wehren. Fröhlich machte auch darauf aufmerksam, wie Entscheidungsträger unterwandert werden: Stiftungsämter, Gremien, Kreistage und Gemeinderäte bis hin zu Gremien im Landtag, die Kulturangebote bezuschussen bzw. Curricula für die Schulen erstellen - all diese Orte werden zur Arena für den Kulturkampf von rechts. Dabei kommen der Extremen Rechten Sparüberlegungen der Politik an sich zu Hilfe. Es bleibt abzuwarten, wo und wann angesichts knapper Kassen an der Erinnerungskultur gespart wird und wer dies zuerst vorschlägt.
Tim Fröhlich präsentierte aber auch verschiedene Ideen, wie erinnerungskulturelle Orte diesen Entwicklungen begegnen können: über lokale und regionale Vernetzung, über Präsenz in den Medien und über ein aktives Eintreten für die Werte der freiheitlich-demokratischen Grundordnung.
In der anschließenden lebhaften Diskussion wurde über Tabubrüche, den politischen Rechtsruck, die konkreten Erfahrungen an der Bisinger Gedenkstätte geredet und darüber, was in Zukunft auf sie zukommen könnte.
„Ich war nie in einer Partei, aber seit dem Erstarken der AfD engagiere ich mich bei den Omas gegen rechts“, berichtet Iris Hilke aus Tübingen. Ähnlich schildern es ihre Mitstreiterinnen Mechthild Luxburg und Maria Dietzfelbinger, die am Mittwoch auf Einladung des Vereins Gedenkstätten KZ Bisingen zu Besuch in der Hohenzollernhalle waren. Neben den vielfältigen Aktivitäten der Tübinger „Omas gegen rechts“ standen vor allem die Biographien der drei Frauen im Mittelpunkt des Gesprächs. Dieter Grupp, Vorsitzender des Vereins stellte sie als „neue Zeitzeuginnen“ vor, die über ihre Kindheit und Jugend in der Bundesrepublik der Nachkriegszeit und ihre frühe Politisierung berichteten. „Bei uns, einer in der NS-Zeit verfolgten Familie, wurde permanent über Politik gesprochen“, so Hilke. Bei den beiden anderen, Töchter von Vätern, die „im Krieg waren“, wurde die NS-Zeit dagegen totgeschwiegen. „Als ich meine Eltern mit 11 Jahren nach Auschwitz fragte, sagten sie mir, sie hätten nichts davon gewusst. Das konnte ich mir nicht vorstellen“, berichtete Mechthild Luxburg. Der Umgang mit der NS-Zeit in der Nachkriegszeit legte jedenfalls bei allen dreien das Fundament für ein kritisches Hinterfragen und ein gesellschaftliches Engagement. Sie erlebten die 1960er und 70er-Jahre noch als enge, patriarchale Gesellschaft, in die erst langsam Veränderung kam. „Die Errungenschaften unserer liberalen Demokratie in Deutschland sind hart erkämpft und keine Selbstverständlichkeit“, so Dietzfelbinger. Bei Einladungen in Schulen ist es ihnen ein Anliegen, der jungen Generation davon zu erzählen. „Wir wollen erzählen und nicht belehren, und die Jungen hören aufmerksam zu.“
Julia Treumann von der Gedenkstätte Buchenwald hat am Samstag, den 21. Februar einen Workshop an unserer Gedenkstätte veranstaltet, in dem gemeinsam erarbeitet wurde, wie die Gedenkstätte mit schwierigem Verhalten und geschichtsrevisionistischen Inhalten umgehen kann.
Dazu hat sich die Gruppe am Morgen auf den Geschichtslehrpfad begeben, um vor Ort zu überprüfen, wo potenziell problematisches Verhalten möglich, denkbar, wahrscheinlich und auch schon vorgekommen ist. Im zweiten Schritt hat sich die Gruppe, ausgehend vom Selbstverständnis der eigenen Arbeit überlegt, wo rote Linien sind, die nicht überschritten werden sollten, wenn Besucherinnen und Besucher die Gedenkstätte besichtigen.
Um dies konkreter zu fassen, wird eine weitere Arbeitsgruppe in den nächsten Monaten eine Besuchsordnung erarbeiten, damit die Gedenkstätte handlungsfähig gegenüber problematischem Verhalten bleibt. Dies Besuchsordnung wird dann auf der Website veröffentlicht.
Der Film „Die dritte und vierte Generation“ vom Schweizer Regisseur Lukas Zünd wurde erneut im Museum Bisingen präsentiert. Er zeigt die Auseinandersetzung von Silvia Hess-Pauli mit ihrer Familiengeschichte als Täterenkelin.
Silvia Hess-Pauli reiste in den letzten Jahren oft nach Bisingen. 2009 erstmals auf den Spuren ihres Großvaters Johannes Pauli, dem ehemaligen Lagerleiter des KZ Bisingen. „In meiner Familie wurde über ihn geschwiegen. Als ich dann das Foto meines Großvaters im Museum Bisingen sah, hat es mir den Boden unter den Füßen weggezogen.“ Sie lebte damals als Schwester Silvia in einer Diakonissen-Gemeinschaft in Riehen bei Basel. Im Vorjahr hatte sie ein prophetisches Bild erhalten: ein verschütteter Brunnen, darunter eine Quelle. Doch zu ihr vorzudringen, werde nicht einfach, ahnte sie. Die Wahrheit über die Taten ihres Großvaters zu erfahren, bedeutete eine lange Auseinandersetzung mit ihrer eigenen Identität. Der Dokumentar-Film, der das Leben von Silvia Pauli über sechs Jahre hinweg begleitete, zeigt einen wesentlichen Teil dieses schmerzhaften Weges. In dessen Verlauf verließ sie unter anderem die Riehener Schwesterngemeinschaft und heiratete ihren Mann Martin Hess. Mit ihm war sie am vergangenen Freitag nach Bisingen gereist. „Bisingen ist mir zu einer Art Heimat geworden. Ein Ort, wo ich wieder an Boden gewonnen habe“, berichtet Silvia Hess-Pauli in der anschließenden Fragerunde. Ihre Recherchen stießen in der eigenen Familie vielfach auf Ablehnung. Auch in ihrer, der dritten Generation werde noch viel verdrängt. Dass die Präsentation des Filmes mit anschließendem Austausch nun schon zum zweiten Mal innerhalb eines Jahres vor vollem Haus stattfinde, liege sehr wahrscheinlich an der Identifikation mit Täternachfahren, so der Vorsitzende des Gedenkstättenvereins KZ Bisingen Dieter Grupp. „Vielleicht gibt es auch in unserer eigenen Familie Unausgesprochenes. Wir sind wohl in den meisten Fällen Nachfahren von Tätern, nicht von Opfern und nur in wenigen Fällen des Widerstands.“
Unter dem Titel „Der Krieg schuf den neuen deutschen Film" – Die Deutsche Wochenschau als Propagandainstrument führte Dr. Karl Kleinbach am vergangenen Mittwoch (19. November 2025) im Museum Bisingen mithilfe von sehr vielen filmischen Belegen seine These aus, dass audiovisuelle Medien wie Radio, Fotos und vor allem Film bis heute unsere visuelle Erinnerung an die NS-Diktatur steuern und damit ein Bildgedächtnis erzeugt haben, das sich regelrecht verselbständigt hat.
Karl Kleinbach hat nicht nur Filmschnippsel aneinandergereiht, sondern zugleich immer wieder Hintergründe erläutert: die Verstaatlichung der Filmnachrichten, die Monopolisierung des Nachrichtenwesens durch das Propagandaministerium, die hektischen Schnittfolgen der Filmemacher und wie diese die Wahrnehmung des Zuschauers beeinflusst haben. Wenn z.B. ein Fliegerangriff aus der Frontkanzel gefilmt wird, der Sturzflug im Bomber förmlich miterlebt wurde, untermalt von triumphalistischer Musik, dann hat das auf den Zuschauer einen Effekt, dem man sich selbst heute schwer entziehen kann. Die Deutsche Wochenschau war während des Krieges ein zentrales Propagandainstrument der Nationalsozialisten: In den besetzten Ländern wurde sie sogar in die jeweilige Landessprache übersetzt, vor allem war sie aber auf die Heimatfront gerichtet, denn man dufte den Glaube an den Sieg nicht verlieren. Dafür waren keine Kosten zu hoch, jede Woche wurden von den Filmteams, die die deutschen Soldaten begleitet haben, 18 Stunden Film produziert, aus denen die Wochenschaufolgen extrahiert wurden.
Die Anwesenden hatten viele Rückfragen an den Referenten, z.B. ob die Berichte von den Soldaten in Briefen oder beim Heimaturlaub den Wochenschauberichten nicht diametral widersprochen hätten. Tatsächlich klafften Realität und Propaganda am Ende des Krieges so weit auseinander, dass es dazu kam, dass z.B. in Dresden anwesende Soldaten laute Lachanfälle während der Vorstellung bekamen und die Fakes entlarvten.
Was ist Rechtsextremismus? Welche Entwicklungen und lassen sich für die letzten Jahre aufzeigen - insgesamt und in der Region? Und welche Gefahren für die Demokratie gehen von der extremen Rechten aus?
Diesen Fragen ging Rolf Frankenberger, Geschäftsführer Forschung am Institut für Rechtsextremismusforschung (IRex) der Universität Tübingen, in seinem Vortrag am Bisinger Museum nach, erklärte was eine liberale Demokratie ausmacht und was es braucht, diese zu verteidigen, und beleuchtete dabei exemplarisch aktuelle Entwicklungslinien von Akteuren, Einstellungen und Bedrohungslagen.
Das Publikum im bis zum letzten Platz gefüllten Museum hatte anschließend eine Fülle von Fragen: wie man Demokratie ansprechender machen könne, woher der Verdruss der Bürgerinnen und Bürger komme und was sich die Demokratie alles gefallen lassen müsse. Rolf Frankenberger hat diese Fragen anschaulich und einleuchtend geklärt.
Der Verein Gedenkstätten KZ Bisingen hat Interessierten am Tag des offenen Denkmals einmal mehr die Gelegenheit zu Informationen und Gesprächen über das „Unternehmen Wüste“ angeboten. Viele Interessierte haben sich zu den Angeboten auf dem KZ-Friedhof (Erkundung des KZ-Friedhofs und gemeinsamer Spaziergang zum Ort des ehemaligen Massengrabs mit Elizabeth Stainsby), im Ried (Spaziergang zu den Hörstationen im Engstlatter Ried / „Wüste“-Werk 3 mit Karl Kleinbach) und auf dem Geschichtslehrpfad (Führung zum Lagergelände und „Wüste“-Werk 2 durch Dieter Grupp) eingefunden.
Beim diesjährigen Vereinsausflug hat eine Delegation des Vereins das Mannheimer Stadtmuseum Marchivum besucht, das in einem ehemaligen Luftschutzbunker untergebracht ist. Dr. Marco Brenneisen, Mitarbeiter am Marchivum und zugleich aktiv an der Gedenkstätte in Sandhofen, hat die Gruppe dort zunächst kundig durch die Räume des Stadtarchivs und die Ausstellung zum Nationalsozialismus in Mannheim geführt. Die Ausstellung ist weitgehend digital und interaktiv gestaltet, was die Besucher immer wieder zum Staunen veranlasst hat.
Am Nachmittag ging die Exkursion zur Gedenkstätte KZ-Außenlager Sandhofen: Das dortige Lager war in einem Schulgebäude untergebracht. Die Schule wird heute als Grundschule genutzt, die Ausstellung zur Geschichte des Außenlagers befindet sich im Souterrain des Schulhauses. Bemerkenswert fanden die Teilnehmer der Exkursion, dass dieses Lager mitten im Dorf Sandhofen lag und von fast allen Seiten aus einsichtig war.
Der in Berlin lebende israelische Autor und Filmemacher Ron Segal las aus seinem Roman Jeder Tag wie heute und hat mit dem Publikum sehr offen über Literatur und über die tagesaktuelle Situation gesprochen. Es ging dabei darum, wie man als Israeli heute in Charlottenburg leben kann, und auch um die Umsetzung des Romans in einen Animationsfilm. Dazu ließ sich Segal tief in die Karten blicken und hat gezeigt, wie er seinen Hauptdarsteller in eine visualisierte Form überführt hat.
In der diesjährigen Jahreshauptversammlung wurde der gesamte Vorstand durch Wahl bestätigt, die Vereinssatzung einstimmig geändert und die zahlreich anwesenden Mitglieder haben nach einem Impulsreferat des Vorsitzenden angeregt über die Gefahr diskutiert, die der Erinnerungskultur im Allgemeinen und der Gedenkstätte Bisingen im Besonderen von rechtsextremistischen Positionen droht und wie man damit umgehen kann.
Georg Schild, Professor für Nordamerikanische Geschichte an der Universität Tübingen, hielt einen Vortrag über die Zukunft der US-Demokratie. Dass das Museum bis auf den letzten Platz gefüllt war, verdeutlicht den drängenden Wunsch vieler nach Einordnung und Orientierung.
Er machte den Versuch, das Zeitgeschehen in einen größeren Kontext zu setzen. Hierfür stellte Schild fünf Thesen vor. Von denen sei hier exemplarisch die erste zusammengefasst: Trump unterscheidet sich von all seinen Vorgängern: Etliche davon hatten in den Streitkräften gedient, hohe Staatsämter inne oder kamen aus dem Kongress. Und: Alle hatten den Staat als zentrales Politikfeld im Blick. Trump dagegen zeichne eine ausgeprägte Gegnerschaft zum Staat aus, die vermutlich biografisch bedingt sei. Als Unternehmer empfinde er staatliche Vorgaben als äußerst hinderlich. Die im Moment zu beobachtenden Maßnahmen gegen die Bürokratie könnten dabei über diese Feindseligkeit und Sparziele hinausgehen. Georg Schild zitierte hierzu aus dem konservativen Manifest „Project 2025“, wonach der Präsident die Macht an die Bürger zurückgeben und dafür von allen ihm zur Verfügung stehenden Mitteln Gebrauch machen müsse. Die politische Macht müsse weg von Washington und zurück zu den Familien, Glaubensgemeinschaften und lokalen Regierungen.
Dem Vortrag schloss sich eine rege Diskussionsrunde an. Dank der Ausführungen von Georg Schild können die Besucher des Vortrags im Bisinger Museum diesen nun wenigstens besser einordnen.
Der Verein Gedenkstätten KZ Bisingen zeigte den Film „Die dritte und vierte Generation“ über die Auseinandersetzung von Silvia Hess-Pauli mit ihrer Familiengeschichte und stieß dabei auf ein überwältigendes Interesse.
Von dem Dokumentarfilm, der in den Jahren 2016-2022 zusammen mit dem Filmemacher Lukas Zünd entstand, wurden etliche Szenen in Bisingen gedreht. Nun wurde er im Museum in Bisingen vorgeführt. Der Veranstaltungsraum war bis auf den letzten Platz gefüllt.
Nach der Vorführung des rund 60-minütigen Films standen Silvia Pauli und Lukas Zünd für Fragen zur Verfügung. Die Zuschauer interessierte dabei vor allem der Aufarbeitungs- und Verarbeitungsprozess, der auch dazu führte, dass aus Schwester Silvia nun die verheiratete Silvia Hess-Pauli wurde. Gefragt wurde aber auch nach der Wirkung auf ihr Umfeld – in der Familie, bei den Diakonissen, im Bekanntenkreis.
Besonders eindrücklich ist im Film das Gespräch mit ihrem Vater, also dem Sohn des ehemaligen Lagerführers Johannes Pauli. Am Ende seines Lebens konnte er mit seiner Tochter über die eigenen Gefühle und Ängste sprechen. Der Filmemacher Lukas Zünd nannte seine Dokumentation eine „Langzeitstudie“, bei der am Anfang überhaupt nicht klar gewesen sei, wohin das alles führen würde.
Aufgrund des großen Interesses wird der Gedenkstättenverein den Film in einem Jahr noch einmal zeigen. Silvia Hess-Pauli und Lukas Zünd haben schon zugesagt, dann wieder nach Bisingen zu kommen.
Ausgehend von einer Fotografie, die die Deportation des 1930 in Kippenheim geborenen Dr. Kurt Salomon Maier zeigt, hat Florian Hellberg, Vorstand im Förderverein Ehemalige Synagoge Kippenheim e.V., in einem fulminanten Vortrag den Weg der Familie Maier aus Kippenheim in das Camp de Gurs in Frankreich sowie die Flucht über Marseille und Casablanca in die USA nach New York nachgezeichnet. Dabei hat er mithilfe von vielen zufälligen und geplanten Fotografien gezeigt, wie man mithilfe dieses Mediums auch mehr als 80 Jahre nach der Deportation noch vieles über die Umstände der Deportation und der Beraubung der badischen Juden rekonstruieren kann. Von einem waren alle Besucher am Ende fest überzeugt: dass die Deportationen durchaus von weiten Teilen der Bevölkerung „wahrgenommen“ und auch fotografisch dokumentiert wurden.
Prof. Michael Butter von der Universität Tübingen berichtete vor einem vollen Saal interessierter Zuhörender über Verschwörungstheorien, deren Grundlage, Herkunft, Argumentationsweise und wie man damit umgehen kann, wenn Menschen aus dem eigenen Bekanntenkreis diesen Theorien anhängen. Das interessierte Publikum nutzte die Gelegenheit, dem Experten Fragen im Plenum und im Anschluss an die Veranstaltung zu stellen.
Viele Interessierte haben das Angebot des Vereins Gedenkstätten KZ Bisingen am Tag des offenen Denkmals angenommen. Morgens hat Ines Mayer mehr als zwei Dutzend Interessierte über den KZ-Friedhof und bis zum einstigen Massengrab geführt. Zur Mittagszeit waren nochmals mehr als ein Dutzend Besucher in Engstlatt bei der Führung von Karl Kleinbach durch das Ried und am Nachmittag nahmen nochmals ein Dutzend Besucher die Gelegenheit wahr, mit Dieter Grupp den Geschichtslehrpfad bei zunehmendem, schließlich strömendem Regen kennenzulernen (vgl. Bild).
Die diesjährige Exkursion des Vereins führte eine kleine Gruppe in die Synagoge nach Kippenheim. Dort hat uns der Vorsitzende des Vereines Ehemalige Synagoge Kippenheim Jürgen Stude kundig in das Gebäude und die Geschichte des Ortenauer Landjudentums eingeführt. Danach haben wir eine aktuelle Sonderausstellung zu Fotoaufnahmen über die Deportation der badischen Juden nach Gurs erkundet und mit dem Kurator Florian Hellberg besprochen. Den Abschluss des Besuchs bildete ein "Abstieg" zur Mikwe der Synagoge.
Nach dem Mittagessen in Lahr (Fegers Grüner Baum) sind wir zum sog. Salmen nach Offenburg gefahren, einem wichtigen Ort deutscher Demokratiegeschichte, war hier doch die Offenburger Versammlung im Jahre 1847, in der die Forderung nach demokratischen Grundrechten erhoben wurde. Dass der Salmen später als Synagoge genutzt wurde, hat das Programm des Vormittags sinnvoll abgerundet. Die Teilnehmer waren sich einig: der Ausflug über den Schwarzwald hat sich gelohnt.
Nina Wolf und Monika Jalili geb. Bergenthal haben eindrücklich über das Schicksal von Monikas Familie in der NS-Diktatur berichtet. Vor den Nationalsozialisten nach Holland geflüchtet, hat sie der Krieg eingeholt und schließlich in die KZ Westerbork und Bergen-Belsen geführt. Dort wurden sie im Juni 1944 zusammen mit mehr als 200 weiteren jüdischen Kindern und Erwachsenen ausgetauscht gegen von den Briten in Palästina internierte Mitglieder der ursprünglich aus Württemberg stammenden Tempelgesellschaft - ein weithin vergessener Aspekt der Verfolgungsgeschichte während der NS-Diktatur. Monika Jalili hat diese Geschichte mit Präzision und Anteilnahme und ohne Pathos erzählt und wurde dabei von Nina Wolf begleitet, die einzelne Passagen auch ins Deutsche übersetzt hat.
Neben den festen Elementen einer Jahreshauptversammlung wie Berichten und Entlastungen ging es dieses Jahr um die Vorstellung des Projekts "Pieces of Memory. Children in the Shoah", das in den Jahren 2021/22 von jungen Menschen, die sich erinnerungskulturell engagieren, erstellt wurde. Im Mittelpunkt des Projekts stehen 32 Biographien von Kindern, die die Shoah erlebt haben. Einige dieser Biographien werden vorgestellt: dabei geht es um das Schicksal jüdischer Kinder in den 1930er- und 1940er-Jahren und deren Weiterleben nach 1945 und in vielen Fällen die Rückkehr zu den Orten der Kindheit. Das Projekt wurde vom Vereinsvorsitzenden Dieter Grupp vorgestellt.
Matthias Moor alias Carsten Arbeiter las aus seinem letzten Buch "Schattensee", einem historischen Kriminalroman, in dem es um die Fluchthilfe in die Schweiz für Verfolgte des NS-Regimes, die Verstrickung von NS-Tätern, die Ausplünderung jüdischer Mitbürger und das jahrzehntelange Verschweigen der NS-Verbrechen geht. Die gelesenen Passagen hat er gekonnt miteinander geknüpft, sodass das zahlreiche Publikum voller Spannung auf die Lösung des Kriminalfalles gespannt sein kann. Im Anschluss an die Lesung wurde Matthias Moor von Dieter Grupp interviewt - dieses Interview wurde an verschiedenen Stellen durch interessierte Fragen aus dem Publikum ergänzt, z.B. zu seinen Recherchen für den Roman oder zu historischen Vorbildern.
Zahlreiche Interessierte haben die Einladung des Gedenkstättenvereins Bisingen angenommen, anlässlich des Holocaustgedenktags gemeinsam Interviews mit Überlebenden anzuschauen. Die gezeigten Videos stammen alle von der USC Shoah Foundation. Im Museum KZ Bisingen sind rund 30 Interviews daraus zugänglich. Zu sehen sind jeweils die Ausschnitte, in denen die Interviewten über ihre Haft im KZ Bisingen berichten.
Für die Veranstaltung im kleinen Saal der Hohenzollerhalle hatte Dieter Grupp, der Vorsitzende des Vereins Gedenkstätten KZ Bisingen, eine Auswahl von rund zehn Videos getroffen. Grupp stellte jeweils den Interviewten vor und betonte, dass schon die Sammlung der Shoah Foundation nur einen kleinen Ausschnitt aus der Geschichte des Holocaust und insgesamt der Opfer des NS darstellt. Die Millionen von Ermordeten hätten keine Möglichkeit mehr gehabt, ihre Geschichte zu erzählen. Für Bisingen bedeutet dies konkret die 1187 registrierten Toten des Lagers.
Dr. Michael Walther, Vorsitzender des Gedenkstättenverbundes Gäu-Neckar-Alb und des Arbeitskreises "Wüste" Balingen, hat seine neuesten Forschungen vorgestellt: Für das Unternehmen „Wüste“ mussten zwischen 1943 und 1945 auch sogenannte Italienische Militärinternierte, kurz: IMIs, Zwangsarbeit leisten. Die Geschichte dieser zwangsverpflichteten Arbeiter liegt noch weitgehend im Dunkeln. Der Vortrag hat erste Erkenntnisse, z.B. eine namensliste mit mehr als tausend Namen, vorgestellt.
Im Rahmen der Veranstaltung „Kultur findet auch in der Provinz statt“ (Kreisverband B90/Grüne) hat sich der Staatssekretär des Ministeriums für Ministerium für Wissenschaft, Forschung und Kunst BW Arne Braun am 19.10.2023 über die Arbeit der Gedenkstätten im Zollernalbkreis informiert. Bei einer Exkursion zu einigen Hörstationen von ERDKUNDE\souvenirs im Ried haben die Künstler Michl Brenner, der Schauspieler Bernhard Hurm und Karl Kleinbach über diese Erweiterung unseres Museumangebotes informiert. Insbesondere war Arne Braun anschließend an dem multiperspektivischen Konzept des Museums (Opfer, Täter, Bisinger Bevölkerung, Nachgeschichte) interessiert.
Der Vorstellung der Initiative Eckerwald durch Brigitta Marquart-Schad und Willi Koch, AK Wüste sowie GNA durch Dr. Michael Walther schloss sich eine Diskussion über notwendig neue Erweiterungen der Gedenkstätten-Pädagogik an (Professionalisierung, Kooperationen, museumsdidaktische Konzepte). In welcher Weise muss sich historisch-politische Bildungsarbeit konkret vor Ort weiterentwickeln? Welche Unterstützungen können kleine Gedenkstätten erwarten (Bürokratieabbau, Unterstützung von Kooperationen u.ä.)?
Der Verein Gedenkstätten KZ Bisingen e.V. besuchte in diesem Jahr die einzige Gedenkstätte im Bereich der LAGGG zur Geschichte der DDR, das DDR-Museum in Pforzheim.
In Pforzheim wurde die Gruppe von Frau Nießner äußerst kundig durch die Ausstellung geführt - dabei fühlten sich viele immer wieder in der Rolle des Zeitzeugen, je näher sich das Geschehen der Zeit der deutschen Einheit zugewandt hatte. In der Ausstellung wird vor allem der Diktaturcharakter des SED-Regimes betont und ostalgische Töne werden gezielt vermieden, um eine nachträgliche Verklärung zu verhindern. Am Nachmittag haben noch einzelne Teilnehmer das Asisi-Panorama zu Pergamon besucht, das im Pforzheimer Gasometer untergebracht ist.
Wie man in einer Stunde mit Aktionskunst die Demokratie retten und dass das schon mal eine halbe Million kosten kann, zeigte der Kabarettist Boris Alexej im kleinen Saal der Bisinger Hohenzollernhalle. Das zahlreiche Publikum musste freilich mithelfen und hatte auch noch seinen Spaß dabei. Der Vorstellung schloss sich eine Diskussionsrunde an. Eingeladen zu dem provokativ-ironischen, aber auch nachdenklichen Abend hatte der Verein Gedenkstätten KZ Bisingen in Kooperation mit dem Fritz-Erler-Forum Stuttgart.
In der Jahreshauptversammlung wurde der neue Ausstellungskatalog der seit 2019 neu gestalteten Ausstellung im Museum Bisingen präsentiert. Daneben fanden Berichte und Wahlen zum Vorstand statt. Dieser wurde fast identisch erneut für zwei Jahre gewählt.
Volker Lässing berichtete ausführlich über ein nahezu unbekanntes Kapitel der Geschichte der Burg Hohenzollern. In intensiver und langjähriger Recherchearbeit hatte sich ein Mosaikstein zum anderen gefügt und schließlich ein umfassendes Bild dieser fast 4 Jahre andauernden Zeit des Kölner Kunstdepots auf der Burg, bestehend aus Kunstwerken aus dem Wallraf-Richartz-Museum, dem Museum Schnütgen und dem Kunstgewerbemuseum (heute Museum für Angewandte Kunst Köln, MAKK), ergeben. Dabei spielt auch das Thema Raubkunst eine Rolle. Volker Lässing hat einen Überblick über seine Forschungsarbeit gegeben, die auch den weiteren Weg der Kunstwerke nach Auflösung des Depots einschließt, und viele Kölner Kunstwerke digital präsentiert.
Am Mittwoch 08. März 2023 um 17 Uhr hat Prof. Dr. Lukas Werther mit Studierenden der Archäologie der Universität Tübingen zwei neue Vitrinen eingeweiht, in denen Funde aus dem Wüste-Werk 3 ausgestellt wurden. Nach einführenden Worten von Dr. Christian Bollacher vom Landesdenkmalamt und Lukas Werther wurden die Vitrinen offiziell eigeweiht. Dies haben zahlreiche Besucher genutzt, um sich in der Ausstellung im Museum Bisingen umzusehen und mit den Beteiligten ins Gespräch zu kommen.
Der evangelische Landesbischof Ernst-Wilhelm Gohl besuchte auf eigenen Wunsch am Holocaust-Gedenktag die KZ-Gedenkstätte in Bisingen. Er zeigte sich beeindruckt vom ehrenamtlichen Engagement sowie dem Konzept und den didaktischen Möglichkeiten der Ausstellung im Museum.
Dr. Fabienne Huguenin, Provenienzforscherin am Museum der Universität Tübingen MUT, hat den Anwesenden einen Überblick über die Provenienzforschung im kolonialen Kontext verschafft, ist dabei auf den Umgang von Museen und Universitätssammlungen mit kolonialer Vergangenheit eingegangen und hat den aktuellen Stand eines vom Deutschen Zentrum Kulturgutverluste und dem MWK geförderten Projekts am MUT mit dem Schwerpunkt Netzwerkforschung erläutert. In der anschließenden Diskussion ging es u.a. um die frage, wie diese koloniale Erinnerung so in Vergessenheit geraten konnte und ob die aktuelle Rückgabepolitik angemessen ist.
Mit dem Propagandafilm CARL PETERS (1941, Regie Herbert Selpin) wollten die Nationalsozialisten dem frühen Vertreter des Kolonialismus ein Denkmal setzen, verfälschten dabei aber die historischen Zusammenhänge und Personendarstellungen, um diese ihrer Ideologie anzupassen. So wird beispielsweise die Kolonisation als politischer Fortschritt dargestellt, der aber durch die „bösen“ jüdischen und sozialdemokratischen Parlamentarier verhindert wird. Die Titelrolle, gespielt von Hans Albers, ist als Vorläufer und Vertreter der Expansionspolitik Hitlers zu sehen. Er wird als Ehrenmann inszeniert, obwohl die historische Person Carl Peters eine rassistische Einstellung vertrat und wegen völkerrechtswidrigem Verhalten gegen afrikanische Einheimische aus seinem Amt als Reichskommissar entlassen wurde.
Dr. Karl Kleinbach hat in die Hintergründe des Filmes eingeführt und im Anschluss an den Film kam ein lebhaftes Gespräch zustande über den Zusammenhang zwischen Kolonialismus und Nationalsozialismus, über die Nachhaltigkeit des kolonialen Denkens und die Rolle des Kilimandscharo als Sehnsuchtsort der Deutschen.
Literaturliste zur Filmeinführung CARL PETERS (Selpin 1941) am 18.10.2022, dabei der vollständige Text von: Constant Kpao Sarè, Abuses of German Colonial History, The Character of Carl Peters as a Weapon for völkisch and National Socialist Discourses: Anglophobia, Anti-Semitism, Aryanism Abuses of German Colonial History: Carl Peters
Der diesjährige Ausflug führte eine Gruppe von 13 Teilnehmern auf die Spuren des ersten Konzentrationslager in Württemberg, dem KZ Heuberg, nach Stetten am kalten Markt. Dort führte die Oberfeldwebelin Amelie Baldauf die Gruppe durch die militärgeschichtliche Sammlung der Bundeswehr am dortigen Standort. Am Nachmittag informierte Doris-Astrid Muth, unsere Museumsbeauftragte, über das Kindererholungsheim - die einige zivile Nutzung des Geländes zwischen 1920 und 1933. Die Exkursion wurde abgerundet durch einen Vortrag von Dr. Ernst Edwin Weber, Kreisarchivar des Landkreises Sigmaringen, am sog. „Russenfriedhof“, einem Friedhof für Kriegsgefangene des 1. und 2. Weltkrieges. Die Gruppe erfuhr ausführlich von den Opfern und den Leiden, insbesondere der russischen Kriegsgefangenen im Zweiten Weltkrieg.
Das Geländeprojekt ERDKUNDE/souvenirs fand am Freitag 15. Juli um 16 Uhr seinen Abschluss an den Gedenkstelen im Engstlatter Ried. Die Fertigstellung der Audiostationen und die archäologische Bewertung der Bodenfunde im Ried wird nun ergänzt durch eine künstlerische Auseinandersetzung mit dem ehemaligen Ölschieferwerk 3.
Nach einer Begrüßung durch den Engstlatter Ortsvorsteher Klaus Jetter hat Dr. Christian Bollacher vom Landesamt für Denkmalpflege über die Kooperation zwischen Gedenkstätte, archäologischer Forschung und Denkmalpflege gesprochen.
Im Rahmen der Jahreshauptversammlung 2022 hat Doris Muth ihren lange erwarteten und wegen der Pandemie immer wieder verschobenen Vortrag halten.
Die jüdischen Textilunternehmer Hechingens nahmen im Industrialisierungsprozess Hohenzollerns eine Vorreiterrolle ein. In ihrem Vortrag wird die Referentin die Geschichte der Hechinger Textilbetriebe, die von Juden gegründet wurden oder sich im Besitz von Juden befanden, schildern. Im zweiten Teil wird der Vorgang der "Arisierung", d.h. der systematischen Ausgrenzung und Verdrängung von Juden aus dem Wirtschaftsleben am konkreten Beispiel eines Hechinger Textilbetriebs eingehend beleuchtet.
Doris Muth, Autorin im neu erschienen Sammelband "Ausgrenzung. Raub. Vernichtung - NS-Akteure und 'Volksgemeinschaft' gegen die Juden in Württemberg und Hohenzollern 1933-45" stellt dar, wie die "Arisierung" einer Textilfirma in Hechingen verlaufen ist.
Der Sammelband ist über das Museum Bisingen beziehbar.
Daneben haben auch alle weiteren festen Bestandteile einer Jahreshauptversammlung (ohne Wahlen) stattgefunden.
Komm mit ins Gelände! Unter diesem Motto fand am Tag des Museums ein gemeinsamer Spaziergang im Engstlatter Ried statt.
Bei schönstem Frühlingswetter folgten zahlreiche Menschen der Einladung von Dr. Karl Kleinbach und dem Gedenkstättenverein, den Audiopfad zum Unternehmen „Wüste“ kennenzulernen. Daneben gab es weitere Informationen und viele anregende Gespräche.
Die diesjährige Jahreshauptversammlung fand im Kl. Saal der Hohenzollernhalle statt.
Die Vorsitzenden sowie die Kassierin wurden entlastet und wiedergewählt. Im Vorstand ergab sich nur eine Änderung: statt Ingrid Wöhr fungiert fortan Jannik Bitzer als Beisitzer.
Außerdem hat der Vorstand auch über das aktuelle Projekt "Museumskatalog" informiert. Schließlich hat das Vorstandsmitglied Dr. Karl Kleinbach einen Impulsvortrag zum Thema "Multidirektionale Erinnerung und was das für unsere Arbeit bedeutet" gehalten, woran sich eine muntere Diskussion angeschlossen hat.
Dr. Michael Blume, der Antisemitismusbeauftragte der Landesregierung Baden-Württemberg informierte über aktuelle Tendenzen und Gefahren des Antisemitismus und von Verschwörungsmythen. Dabei ging er besonders darauf ein, inwiefern der Antisemitismus ein Sammelbecken für alle Anhänger von Verschwörungsmythen darstellt und wie die absurde Logik von Anhängern der Verschwörungsmythen funktioniert.
In der anschließenden Diskussions- und Fragerunde sprachen die 60 anwesenden Besucherinnen und Besucher u.a. Themen wie die Rolle der politischen Rechten im Antisemitismusdiskurs, die Radikalisierung durch die Pandemiesituation und die Frage der sog. "Israelkritik" an.
Die Veranstaltung war eine gemeinsame Veranstaltung der vier Gemeinderatsfraktionen von Bisingen und des Verein Gedenkstätten KZ Bisingen e.V.
Unter dem Titel „Weimar – und wir? Die 1920er Jahre in Deutschland“ hielt der Direktor des Seminars für Neuere Geschichte an der Universität Tübingen Professor Ewald Frie einen gut besuchten Vortrag in Bisingen. Eingeladen hatten der Verein Gedenkstätten KZ Bisingen und der Gedenkstättenverbund Gäu-Neckar-Alb.
Die Geschichte der Weimarer Republik betrachtete Frie in zwei Anläufen: einmal von den Städten und Kommunen her, zu anderen auf der Ebene des Reichs. Dabei lieferte er immer wieder erstaunliche Erkenntnisse und über allem schwang die Frage nach den Bezügen zu unserer eigenen Gegenwart mit: „Weimar – und wir?“, so lautete der Titel des Vortrags. Die Städte also: Nach dem Ersten Weltkrieg waren dort der Übergang zum neuen politischen System zu organisieren und eine Vielzahl an Problemen zu lösen. Zum Beispiel beim Wohnungsbau, der im Grunde seit 1914 stagniert hatte. Hier entstanden in den Städten neue Quartiere, die zum Teil noch heute bestehen. Ewald Frie sprach hier von der „Baustelle Weimar“, was sich auch auf den Ausbau der Infrastruktur bezog.
Was bei den Kommunen noch wichtig ist: Die politische Situation habe hier ganz anders ausgesehen – wegen der katholischen Zentrumspartei. Im Reich war sie als stabilisierendes Element immer dabei, in allen Koalitionsregierungen, gewissermaßen als Mittelpartei. In den Kommunen oder Regionen herrschte immer ein Ungleichgewicht: durch ihr Fehlen in protestantischen Gebieten und ihre Dominanz in katholischen.
Immer wieder betonte Frie: Bei der Weimarer Republik nicht nur das Scheitern zu betonen, sondern auch die Chancen. Es sei ebenfalls wichtig, dass man Demokratie als stets gefährdete Einrichtung begreifen müsse. Insofern könne Weimar ein „Lernort“ sein – im Hinblick auf die „Gefährdetheit“ und auf die Chancen.
Zwischen 1942 und 1945 existierten in den heutigen Bundesländern Baden-Württemberg, Hessen und Rheinland-Pfalz etwa 40 KZ-Außenlager des Konzentrationslager Natzweiler (Elsass). Nach Kriegsende geriet die Geschichte dieser Lager oftmals für Jahrzehnte in „Vergessenheit“, ehe sich in den 1980er Jahren lokale Gruppen und Initiativen für eine umfassende Aufarbeitung und dauerhafte Erinnerung an die Opfer einsetzten.
Der Vortrag von Marco Brenneisen hat verschiedene Phasen in der "zweiten Geschichte" der KZ-Außenlager von Natzweiler markiert und dabei immer die Bisinger Entwicklung besonders in den Blick genommen. Im anschließenden Gespräch konnten verschiedene Aspekte noch vertieft beleuchtet werden.
Die diesjährige Jahreshauptversammlung fand coronabedingt in sehr kleinem Rahmen statt. Dennoch konnte das 100. Mitglied des Vereins Gedenkstätten KZ Bisingen e.V. begrüßt werden.
Das Museum KZ Bisingen nahm wie viele andere Gedenkstätten in Deutschland am diesjährigen Holocaust-Gedenktag an der Aktion "Lichter gegen Dunkelheit" teil. Dabei wurde mithilfe der freiwilligen Feuerwehr Bisingen das Museum für 90 Minuten in der Dunkelheit beleuchtet.
Der im niederländischen Lager Westerbork gefangene deutsch-jüdische Fotograf Rudolf Breslauer bekam vom Lagerkommandanten Gemmerker 1944 den Auftrag, den Alltag der Lager-Gefangenen zu dokumentieren. Aus diesem Material hat Harun Farocki einen 40-Minuten-Film zusammengestellt, den er „Aufschub“ betitelt: Er zeigt u.a. auch das geschäftige Treiben auf dem Bahnsteig zur letzten Station. Breslauer selbst wurde wenige Tage später von dort aus auch deportiert und ermordet.
Diesen Film, mehrfach unterbrochen mit der Lesung aus dem Buch "Im Depot" von Philip Mechanicus, zeigten wir am Holocaust-Gedenktag 2020. Durch den Abend führten Dr. Karl Kleinbach und Ingrid Wöhr.
Am Montag, den 2. Dezember war Sabine Kurtz, stellvertretende Landtagspräsidentin von Baden-Württemberg, zu Besuch im Museum und der Gedenkstätte Bisingen. Bei einem Rundgang durch das Museum erläuterten Bürgermeiser Roman Waizenegger, die kommunale Museumsbeauftragate Doris Muth und der Vorsitzende des Gedenkstättenvereins Dieter Grupp der Vizepräsidentin des Landtags das neue Museumskonzept. Anschließend besuchte die Gruppe einzelne Stationen des Geschichtslehrpfads und den KZ-Friedhof. Sabine Kurtz war besonders beeindruckt von dem bürgerschaftlichen Engagement, das sich nicht nur in dem Gedenkstättenverein zeigt, sondern die ganze Kommune mit einbezieht und von der Verwaltung maßgeblich unterstützt wird.
Rund 30 Interessierte aus der näheren und weiteren Umgebung sind der Einladung gefolgt und wurden von Jugendguide Nadja Diemunsch kundig durch die neue Ausstellung geführt.
Der Politikwissenschaftler Marc Grimm von der Universität Bielefeld beleuchtete das Verhältnis der AfD zum Antisemitismus, zu jüdischen Gemeinden und zu Israel aus mehreren Perspektiven. Dabei kam er zu dem Ergebnis, dass die AfD eindeutig antisemitisch ist - in der Sprache, in ihrem Programm, an der Basis und bei vielen Amtsträgern.
Auf der Jahreshauptversammlung des Vereins Gedenkstätten KZ Bisingen gab es neben Rechenschaftsberichten, Verabschiedungen und Wahlen einen eindrücklichen Vortrag über den französischen Gedenkort Oradour-sur-Glane.
Der neue Vorstand, der einstimmig gewählt wurde, sieht damit folgendermaßen aus: Erster Vorsitzender bleibt Dieter Grupp, zweite Vorsitzende Ines Mayer. Neue Kassiererin ist Verena Lohr, als Beisitzer fungieren Franziska Blum, Nadja Diemunsch, Karl Kleinbach und Ingrid Wöhr. Kraft Amtes ist die Museumsbeauftragte Doris-Astrid Muth kooptiertes Mitglied des Vorstands.
Trotz strömenden Regens besuchten 80 bis 90 Interessierte die Präsentationen des Landesdenkmalamts beim ehemaligen Lagergelände in der Schelmengasse sowie die Führungen der Jugendguides auf dem Geschichtslehrpfad und im Museum KZ Bisingen.
10.00 Uhr: Führung Geschichtslehrpfad (Vanessa Schönleber)
11.00 Uhr: Führung Ausgrabungen (Barbara Hausmair)
12.00 Uhr: Führung Museum (Nadja Diemunsch)
13.00 Uhr: Führung Ausgrabungen (Barbara Hausmair)
Staatssekretärin Katrin Schütz (Wirtschaftsministerium Baden-Württemberg) besuchte auf ihrer viertägigen Denkmalreise auch die Grabungen auf dem KZ-Lagergelände in der Schelmengasse. Begleitet wurde sie unter anderem vom Präsidenten des Landesdenkmalamts sowie vom Landrat des Zollernalbkreises Günther-Martin Pauli und vom Bisinger Bürgermeister Roman Waizenegger.
Die zweite Gedenkstättenreise durch Baden-Württemberg führte Landtagspräsidentin Muhterem Aras auf die Schwäbische Alb. Fünf historische Orte der Erinnerung standen auf dem Besuchsprogramm, sie waren so unterschiedlich wie die Folgen der Willkürherrschaft und des Terrors in der Nazi-Diktatur: Zwei Gedenkstätten befinden sich an Orten auf der Alb, an denen das NS-Regime Menschen aus ideologischen Gründen tötete oder durch harte Arbeit in KZ Außenstellen in den Tod trieb - in Grafeneck und Bisingen. Auf dem Besuchsprogramm standen ebenso Personenerinnerungsorte wie das Haus Matthias Erzbergers in Münsingen-Buttenhausen, das Ernst-Jünger-Haus in Wilflingen sowie das Schloss Stauffenberg in Albstadt-Lautlingen. „Ich bin den Ehrenamtlichen unendlich dankbar für ihr Engagement in den Gedenkstätten. „Es ist überaus beeindruckend, wie einfühlsam und mutig, kreativ und klug, zurückerinnernd und nach vorn blickend Erinnerungsarbeit sein kann. Dafür brauchen die Vereine stabile Bedingungen und eine adäquate Ausstattung“, so Präsidentin Aras.
Nach 14 Monaten Planung und sechs Monaten Umbau wurde das Museum KZ Bisingen in einem Festakt mit zahlreichen Besuchern wiedereröffnet. In fünf Themenräumen – Häftlinge, Unternehmen „Wüste“ und Täter, Dorf und Nachgeschichte – und einem Intro-Raum wird die Geschichte des KZ Bisingen mit vielfältigen Medien vermittelt.
Eigens zur Eröffnung angereist sind Christine Glauning, die 1996 die erste Ausstellung im Museum konzipiert und eine Dissertation zum Thema verfasst hat; Claire Vosk, die Tochter des KZ-Überlebenden Otto Gunsberger und ihre Söhne Damien und Andrew, sowie Silvia Pauli, die Enkelin des ehemaligen Lagerführers Johannes Pauli.
Jens-Christian Wagner, Leiter der Stiftung niedersächsische Gedenkstätten hielt den Festvortrag unter dem Titel „Geschichte begreifen, für die Zukunft handeln. Anforderungen an eine zukunftsgerichtete KZ-Ausstellung“. Sein Fazit für die neue Dauerausstellung im Museum KZ Bisingen lautet: „Inhaltlich, didaktisch und gestalterisch ist die neue Ausstellung, wie ich finde, hervorragend gelungen. Vor allem aber fügt sie sich mit dem ausdrücklichen Blick auf die Täter und deren Motivation ein in eine Erneuerung unserer Erinnerungskultur, und auch damit ist sie zukunftsweisend.“
Unter äußerst kundiger Leitung von Wolfgang Rieg, der Mitglied in unserem Verein und im Vorstand der Gedenkstätteninitiative Überlingen ist, erhielten wir eine rund zweistündige Führung durch den Goldbacher Stollen. Von Oktober 1944 bis April 1945 mussten rund 800 Häftlingen des KZ Aufkirch, einem Außenlager von Dachau, vier Kilometer Tunnelgänge aus dem Felsen sprengen und meißeln, um vier Rüstungsbetriebe unter Tage verlagern zu können. Wie in Bisingen vereitelte das Kriegsende das hochtrabende Ziel - hier von 40 km Tunnelgängen bis Ende 1945. Ungefähr ein Viertel der KZ Häftlinge kam dabei zu Tode.
Nach der Führung im Stollen gab es ein gemeinsames Mittagessen in der Therme, bevor die Mitreisenden den Nachmittag am See individuell ausklingen ließen.
Aus Anlass des Holocaustgedenktags referierte der Berliner Professor für Holocaust-Studien Stephan Lehnstaedt über die Vernichtungslager der "Aktion Reinhardt". Den NS-Tätern war es gelungen, die Spuren der Ermordung von fast zwei Millionen Menschen in den Lagern Belzec, Sobibor und Treblinka fast vollständig zu beseitigen. Nur knapp 150 Menschen überlebten diese unfassbare Mordaktion in den Jahren 1942/43, so dass die Verbrechen beinahe in Vergessenheit zu fallen drohen. Stephan Lehnstadt wirkte dem mit seiner Monographie "Der Kern des Holocaust", die es über die BpB zu beziehen gibt, entgegen. Mit seinem Vortrag in Bisingen verschaffte er nun auch den zahlreichen Besuchern einen Überblick über die Ereignisse selbst sowie über die juristische Aufarbeitung und Erinnerungskultur nach 1945. Wie groß das Interesse an dem schwierigen Thema ist, zeigte die angeregte Fragerunde.
Auch in Bisingen löste die Nachricht vom Tod von Rosel Wasserstein – so hatte ihr Mann Isak sie genannt – Trauer und Überraschung aus. Ende November hatten sie Ines Mayer und Hanne Grunert in München besucht und waren erfreut, sie trotz ihres hohen Alters hellwach und vital anzutreffen. Bei Tee und Baumkuchen erzählte Rosel Wasserstein von ihrem Mann und der schweren Zeit nach dem Krieg. Rosel Wasserstein war ab Ende der 1990er-Jahre öfter mit ihrem Mann Isak in Bisingen.
In Engstlatt wurde im Ried im Sommer 1944 mit dem Bau des „Wüste“‐Werks 3 begonnen. Das Schieferölwerk erstreckte sich auf einer Fläche von 19 Hektar. Das Schiefergestein sollte im Tagebau erschlossen werden um daraus im Schwelverfahren Öl zu gewinnen. Für den Aufbau der Industrieanlage wurden Häftlinge des KZ Bisingen eingesetzt. Von dieser Anlage ist heute nur noch ein Backsteinbau sichtbar. Allerdings kommen durch land-wirtschaftliche Bearbeitung noch immer zahlreiche Kleinfunde dieser Anlage ans Tageslicht. Seit 2015 sammelt und dokumentiert Karl Kleinbach solche Pflugfunde. Wie lassen sich solche Funde auswerten und interpretieren? Lassen sich darüber neue Einsichten über Ausbeutung, Vernichtung und die Ordnung des Terrors durch das NS-Regime gewinnen? Wie können solche Bodenfunde die Methoden zeitgeschichtlicher Forschung mit Archiv-dokumenten und Zeitzeugen ergänzen?
Im Winter/Frühjahr 2018/19 wird das Museum rundumerneuert: ein neues Konzept, die Integration neuer Funde und Befunde sowie eine an vielen Stellen digitale Präsentation werden den Besuch des Museums in Bisingen zu einem ganz neuen Erlebnis machen. Wie sich der "Arbeitskreis Museum" das im Einzelnen vorstellt, wird den Mitgliedern an diesem Abend erläutert. Selbstverständlich besteht Raum für Rückfragen und Kommentare.
Franziska Blum präsentierte in ihrem Vortrag die Ergebnisse ihrer Forschungen zu Johannes Pauli für die Schriftenreihe "Täter - Helfer - Trittbrettfahrer". Dabei wurde deutlich, dass Johannes Pauli nicht bloß ein schlichter Erfüllungsgehilfe des NS-Systems war, sondern ein Täter, der in hohem Maße gewalttätig und menschenverachtend agierte. Die Rechtmäßigkeit seines Handelns stellte er vor Gericht nie in Frage. Als er gefragt wurde, ob der ihm angeblich erteilte Befehl für die Erschießung von Plünderern rechtmäßig gewesen sei, erklärte er: "Ich kann da nicht folgen. Ich hatte als Soldat nicht das Recht, über Befehle nachzudenken. Das hätte meine ganze militärische Ausbildung über den Haufen geworfen. Ich bin heute überzeugt, dass ich richtig gehandelt habe."
Der Verbund der Gedenkstätten im ehemaligen KZ-Komplex Natzweiler (VGKN), zu dem auch die KZ-Gedenkstätte Bisingen gehört, wurde für seine transnationale Vermittlungs- und Erinnerungsarbeit mit dem Europäischen Kulturerbe-Siegel ausgezeichnet. Aus diesem Anlass fand am 12.6.2018 eine Feierstunde im Haus der Wirtschaft Stuttgart statt. Hierbei überreichte die Staatssekretärin Ministerium für Wirtschaft, Arbeit und Wohnungsbau Baden-Württemberg, Katrin Schütz, den 12 beteiligten Gedenkstätten des Landes Zertifizierungsplaketten. Für die KZ-Gedenkstätte Bisingen waren Doris Muth und Nadja Diemunsch anwesend. Nadja Diemunsch, Jugendguide und VGKN-Beauftragte der Gedenkstätte, nahm die Plakette entgegen.
Im Rahmen der Feierstunde wurde auch die deutsch-französische Ausstellung „Natzweiler: Spuren/Traces“ eröffnet, die noch bis zum 4.7. im Haus der Wirtschaft zu sehen ist. Sie bietet mit den Themenbereichen Erinnerung/Mémoire“, „Kunst/Art“ und „Denkmal/Monument“ spannende Einblicke in die Spuren(suche) an Gedenkorten beidseits des Rheins.
Zudem fand ein Podiumsgespräch mit Vertreter*innen der Gedenkstätten und der Ausstellungsstellungsprojekte statt. Für die passende musikalische Umrahmung sorgten Sebastian Bollacher (Bariton) und Ulrich Schlumberger (Akkordeon)
Silvia Pauli, die Enkelin des Bisinger KZ-Lagerführers Johannes Pauli, und Prof. Dr. Frieder Meyer-Krahmer, ein Enkel des Widerstandskämpfers Carl-Friedrich Goerdeler, unterhielten sich über ihre Auseinandersetzung mit den Großvätern.
Nadja Diemunsch, Jugendguide beim Verein Gedenkstätten KZ Bisingen, leitete am Sonntag, 6. Mai 2018, um 10 Uhr eine Führung über den KZ-Friedhof Bisingen an. Während der etwa einstündigen Führung haben die Besucherinnen und Besucher Interessantes über die Geschichte des Friedhofs erfahren, die auch ein Spiegelbild des Umgangs mit der NS-Vergangenheit im Ort ist.
Bei der Jahreshauptversammlung 2018 berichteten Dr. Bollacher und Dr. Hausmair vom Landesdenkmalamt, Abteilung für zeitgenössische Archäologie von dem groß angelegten Projekt zu den Außenlagern des KZ Natzweiler. Für Bisingen bedeutet das eine Vielzahl von Untersuchungen geophysikalischer Art, bei denen sicherlich nicht nur neue Objekte, sondern auch neue Erkenntnisse zutage gefördert werden. Auf jeden Fall, so meinten die Archäologen, solle man bei der Neukonzeption des Museums eine Vitrine frei halten...
Die Teilnehmer der Exkursion 2018 erlebten einen hochinteressanten Tag an der KZ-Gedenkstätte Neckarelz am Rande des Odenwalds. In den sog. Neckarlagern wurden Rüstungsgüter im Auftrag von Daimler-Benz unter Tage in Gipsstollen gefertigt. Außerdem übernahmen sie die administrative Leitung nach der Aufgabe des Stammlagers Natzweiler für alle Außenlager, also auch für Bisingen. Morgens haben die Vorsitzende des Gedenkstättenvereins Neckarelz, Dorothee Roos, und zwei weitere Guides die Gruppe aus Bisingen durch die 2011 modernisierte Ausstellung geführt, was nicht zuletzt für die Überarbeitung der Bisinger Ausstellung viele Anregungen geliefert hat. Am Nachmittag führte Frau Roos die Gruppe auf den Goldfischpfad auf der anderen Seite des Neckars. Dort lassen sich noch Relikte der Industrieanlagen besichtigen, in denen die Häftlinge arbeiten mussten.
Ein halbes Dutzend Mitbürger sind der Einladung des Gedenkstättenvereins zu einem "Erzählcafé" im Museum gefolgt. Sehr angeregt wurde hier über die Erinnerungen an die Jahre 1944 und '45 gesprochen, als täglich Häftlinge des KZ-Lagers durch den Ort zu Arbeitseinsätzen getrieben wurden. Auch von der Stimmung im Ort war die Rede, von Sprachlosigkeit und Einschüchterung, Angst und einem Gefühl der Hilflosigkeit. Ein Besucher brachte sogar eine Fahrkarte seiner Mutter von 1946 mit. Sie war als Zeugin beim Kriegsverbrecherprozess in Rastatt. Als Exponat wird sie ihren Platz in der neuen Ausstellung im Museum finden. Auch die Geschichten und Erinnerungen werden hier einfließen.
Felix Steinbrenner von der Landeszentrale für politische Bildung (Stabsstelle „Demokratie stärken“) hat darüber referiert, wie man zur Stärkung der Zivilcourage beitragen kann.
Karl Kleinbach, der Moderator des Filmabends, hat in seiner Einführung richtig zugespitzt: „Man kann sich das Kino nicht ohne Hitler vorstellen – und Hitler nicht ohne das Kino.“ Zahlreiche Besucher waren gekommen, um sich den NS-Propagandafilm von Leni Riefenstahl anzuschauen und sich selbst ein Bild über die Wirkung von Riefenstahls Inszenierung zu machen. Die Diskussion am Ende der Vorführung zeigte, dass diese Wirkung recht ambivalent ausfiel: die Wirkung der arrangierten Massenszenen einerseits, die Monotonie der endlosen Aufmärsche andererseits - heute ist der Film nur noch schwer erträglich.
Mike Michelus wurde 1985 in der DDR im Alter von 19 Jahren in der DDR zu 1 Jahr und 3 Monaten Freiheitsentzug verurteilt. Warum? Darüber spricht er im Zeitzeugengespräch.
Sein Selbstverständnis als Zeitzeuge: "Ich bezeuge Dinge, welche ich selbst erlebte. Und ich belege sie mit Originaldokumenten. Mein Vortrag ist kein Geschichtsunterricht. Persönliche Bewertungen meinerseits finden erst im anschließenden Gespräch/Diskussion mit den Zuhörern statt."
Sein Tenor im Vortrag und Gespräch: "Demokratie ist anstrengend, dauert lange, bringt nicht viel, und ist das Beste, was wir je hatten."
(Zitat: Monika Zeretzke)
Mehr bei: https://www.michelus.net/
Unser Vereinsausflug wird uns dieses Jahr zur Gedenkstätte nach Spaichingen führen. Dort werden wir mit den Vertretern des Gedenkstättenvereins in Spaichingen zusammen Mittag essen und dann eine Führung über den Gedenkpfad und viele wichtige erinnerungs- und Gedenkorte erhalten.
Treffpunkt ist um 10.30 Uhr auf dem Bisinger Marktplatz; dort bilden wir Fahrgemeinschaften; Rückkehr: ca. 17 Uhr.
Wir bitten um Voranmeldung bei Dieter Grupp via Mail: gruppdieter_at_gmail.com bis Mittwoch 15. Juli, vor allem wegen der Reservierung für das Mittagessen.